Die Ausgangslage
Die Rodenberger Aue war historisch in mehrere Gerinne aufgeteilt und später zu einem Strang zusammengeführt worden, um die umliegenden Auen für Landwirtschaft und Mühlenbetrieb nutzbar zu machen. Dadurch war die ökologische Verbindung zur Primäraue unterbrochen, die Durchwanderbarkeit für Fische eingeschränkt, und die Gewässerdynamik stark reduziert.
Aufgrund des hohen Entwicklungspotenzials zwischen Egestorf und der Landermühle erwarb der Landkreis Hameln-Pyrmont Flächen, um Maßnahmen zur ökologischen Wiederanbindung, Strukturverbesserung und Förderung der eigendynamischen Entwicklung umzusetzen.
Vorgehensweise
Das Projekt umfasste Laufverlängerungen in zwei Teilabschnitten (rund 515 m und 500 m) mit Wiederherstellung früherer Mäander, Anhebung der Wasserspiegel bei Niedrig- und Mittelwasser und Anpassung der hydraulischen Leistungsfähigkeit zur Förderung regelmäßiger Überflutungen.
Strukturmaßnahmen beinhalteten punktuellen Kies- und Störstein-Einbau, Totholzinstallationen sowie die Pflanzung standortgerechter Ufergehölze. Die Sohlsubstrate wurden mit Naturkorn (8/64 mm) gestaltet, um Flachwasserbereiche und Laichhabitate für Fische wie die Groppe zu schaffen. Zur Verbesserung der Durchwanderbarkeit wurde ein Rahmendurchlass unter einem landwirtschaftlich genutzten Weg gebaut, der die Substratkontinuität gewährleistet.
Die Planung und Umsetzung erfolgten unter enger Einbindung von Landwirten, Eigentümern und Anwohnern durch Informationsveranstaltungen, Pressemitteilungen und dem gemeinsamen sogenannten „Anstich“ des neuen Gewässerverlaufs.
Maßnahmenkonzept & Mehrwert
Die Rodenberger Aue entwickelt sich nun zu einem naturnahen, dynamischen Bach mit eigendynamischer Entwicklung der Aue. Positive Effekte ergeben sich für Biodiversität, Biotopverbund und Hochwasserschutz: Flächennahe Überflutungen reduzieren Risiken für die Ortslage Egestorf und Unterlieger, während feuchte Auenbereiche Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten schaffen. Überschüssiger Boden wurde sinnvoll für angrenzende landwirtschaftliche Flächen genutzt. Das Projekt zeigt, wie ökologische, wasserwirtschaftliche und landwirtschaftliche Belange durch Planung und Kooperation zusammengeführt werden können.