Die Ausgangslage
Im Planungsraum Billerbeck bestand die Aufgabe, eine ökologisch beeinträchtigte Gewässeraue umfassend zu renaturieren und gleichzeitig Flächen für die Kompensation hafenbezogener Eingriffe bereitzustellen. Auftraggeberin war die Freie Hansestadt Bremen (Sondervermögen Hafen), vertreten durch die bremenports GmbH & Co. KG.
Durch den Erwerb zusätzlicher Flächen sowie Nutzungsvereinbarungen entlang der rund 5,5 km langen Fließstrecke der Billerbeck konnten die Maßnahmen weit über den eigentlichen Gewässerkorridor hinaus umgesetzt werden. Vorhandene Kompensationsflächen des Unterhaltungsverbandes Nr. 80 Lune wurden integriert, intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen in der Aue deutlich reduziert. Das Projektgebiet erstreckt sich zwischen Axstedt und Stubben sowie auf Teilabschnitte des Oldendorfer Bachs.
Vorgehensweise
Auf Grundlage eines integrativen Maßnahmen- und Nutzungskonzepts wurden wasserwirtschaftliche, naturschutzfachliche und landwirtschaftliche Belange zusammengeführt. Das Leitbild ist ein naturnaher und strukturreicher kiesgeprägter Tieflandbach, der sich nach der Herstellung eigendynamisch (unter Berücksichtigung der wasserwirtschaftlichen Belange) entwickeln darf.
Zur Umsetzung dieses Leitbilds wurden Laufverlegungen und -verlängerungen mit Wiederherstellung natürlicher Mäander realisiert, ergänzt durch die Anhebung von Sohl- und Wasserspiegellagen. Weitere Maßnahmen umfassten die Vitalisierung des Gewässerbetts, den Einbau von Kiesstrecken, Totholz, Grundschwellen und Strömungslenkern sowie die Anlage von Stillgewässern, Blänken, Flutrinnen und Sandfängen. Insgesamt wurden rund 2.850 m Gewässerlauf umgestaltet, großflächig Rohbodenstandorte geschaffen und standortheimische Gehölze gepflanzt.
Die Planung und Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung mit Landwirten, Gemeinden, Behörden und Verbänden. Informationsveranstaltungen und persönliche Gespräche dienten der frühzeitigen Einbindung und Akzeptanzförderung. Ergänzend entstand in Kooperation mit dem Bürgerverein Bokel ein öffentlich zugänglicher Naturerlebnisort mit Aussichtspunkt und Informationstafeln.
Maßnahmenkonzept & Mehrwert
Die Maßnahmen ermöglichen die Entwicklung eines naturnahen Bach- und Auenökosystems mit hoher Struktur- und Artenvielfalt und erfüllen zugleich die Anforderungen aus FFH- und Naturschutzgebieten.
Ein zusätzlicher Mehrwert ergibt sich für den lokalen Hochwasserschutz: Durch die Reaktivierung der Auen, die Wiederherstellung von Mäandern und die Schaffung von Retentionsräumen wurde ein Rückhaltevolumen von über 35.000 m³ geschaffen. Die Billerbeckniederung entwickelt sich damit zu einem ökologisch wertvollen, resilienten Landschaftsraum mit hoher Bedeutung für Natur, Mensch und Klima.